Klicken Sie hier, um diesen technischen Tipp als PDF-Datei anzusehen.

Ethylenoxidvalidierung

Vor der Durchführung einer routinemäßigen Ethylenoxidsterilisation muss ein zu sterilisierendes Produkt den Validierungsprozess durchlaufen, damit sichergestellt werden kann, dass das angegebene Sterility Assurance Level (der SAL-Wert) erreicht wird. Der weltweit einheitliche Standard, der die Durchführung einer derartigen Validierung beschreibt, ist die Norm ANSI/AAMI/ISO 11135-1:2007: „Sterilisation von Produkten für die Gesundheitsfürsorge – Ethylenoxid – Teil 1: Anforderungen an die Entwicklung, Validierung und Lenkung der Anwendung eines Sterilisationsprozesses für Medizinprodukte“.

Zusätzlich dazu wurde ein technischer Bericht entwickelt, der weitere Informationen über die Anwendung dieses Standards bietet. ANSI/AAMI/ISO TIR11135-2:2008, „Sterilisation von Produkten für die Gesundheitsfürsorge – Ethylenoxid – Teil 2: Leitfaden zur Anwendung von ANSI/AAMI/ISO 11135-1“ wurde in Verbindung mit dem Standard entwickelt und ist zur einfacheren Verwendung gleich aufgebaut wie Teil 1.

Dieser technische Tipp enthält eine schrittweise Übersicht über den Ethylenoxidvalidierungsprozess in Übereinstimmung mit ANSI/AAMI/ISO 11135 unter Verwendung eines Halbzyklus-Overkill-Verfahrens.

Was ist eine Validierung?

Vereinfacht gesagt, besteht die Validierung des Ethylenoxidprozesses aus drei Schritten: Installationsqualifizierung (IQ), Betriebsqualifizierung (BQ) und Leistungsqualifizierung (LQ). IQ und BQ werden häufig vorab vom Sterilisationsdienstleister durchgeführt und dem Kunden im Rahmen eines Zulassungspakets zur Verfügung gestellt.

Installationsqualifizierung

Die Installationsqualifizierung zeigt, dass die Sterilisationsanlage und alle weiteren Geräte in Übereinstimmung mit den entsprechenden Spezifikationen bereitgestellt und installiert wurden.

Betriebsqualifizierung

Die Betriebsqualifizierung zeigt, dass die installierten Einrichtungen das angegebene Verfahren innerhalb der festgelegten Toleranzgrenzen durchführen können.

Leistungsqualifizierung

Die Leistungsqualifizierung zeigt, dass die Einrichtungen für die Ethylenoxidsterilisation permanent in Übereinstimmung mit vordefinierten Kriterien funktionieren und dass das Produkt bei diesem Prozess erfolgreich sterilisiert wird. Die Leistungsqualifizierung besteht aus zwei Teilen: aus der mikrobiologischen LQ und der physikalischen LQ.

  • Die mikrobiologische LQ zeigt, dass die angegebenen Anforderungen für die Sterilität durch Anwendung des Sterilisationsprozesses eingehalten werden.
  • Die physikalische LQ zeigt, 1) dass der Prozess reproduzierbar ist (mindestens drei aufeinanderfolgende Läufe, bei denen alle angegebenen Annahmekriterien eingehalten werden) und 2) dass die angegebenen Annahmekriterien bei allen Produkten für die Dauer entsprechend der vorgeschlagenen Routineverfahrensspezifikationen eingehalten werden.

Schritte hin zu einer EO-Validierung

1. Auswahl des Process-Challenge-Device (PCD)

Ein Process-Challenge-Device (PCD) wird ausgewählt. Das PCD ist ein mikrobiologisches Kontrollsystem, das eingesetzt wird, um die Letalität der ausgewählten Verfahrensparameter zu beurteilen. Dies geschieht mithilfe eines biologischen Indikators (BI), der in ein Produkt integriert wird, das an einer Stelle platziert wird, an dem die Sterilisationsbedingungen besonders schwierig erreicht werden können.

  • Interne PCD sind häufig medizinische Produkte oder Geräte, die vom Hersteller ausgewählt werden, da diese aufgrund ihrer Konstruktion oder ihrer Materialzusammensetzung besonders schwierig zu sterilisieren sind. Diese werden für die Validierung verwendet.
  • Externe PCD werden während des Routineprozesses außen am Produkt angebracht, damit sie nach der Behandlung leicht wieder vom Produkt entfernt werden können.

2. Auswahl der Referenzbeladung

Die Auswahl einer Referenzbeladung wird durchgeführt, um die schlechtmöglichste Beladung für die Routinesterilisation zu bestimmen. Dabei werden die Dichte der Produktbeladung, das Volumen und die Belüftung von Produkt/Verpackung/Beladung berücksichtigt.

3. Protokollerstellung

Ein Protokoll, das alle Validierungsaktivitäten dokumentiert, wird erstellt. Zu diesen Aktivitäten zählen:

  • Ziel
  • Umfang
  • Normative Verweise
  • Definitionen
  • Verantwortlichkeiten
  • Einrichtungen
  • Anweisungen
  • Annahmekriterien

4. Weitere Laboruntersuchungen

Weitere Laboruntersuchungen werden durchgeführt, dazu gehören:

  • Keimzahlbestimmung
  • Verifizierung der BI-Population

5. Physikalische und mikrobiologische LQ

Die physikalische LQ und die mikrobiologische LQ werden normalerweise parallel zum Halbzyklusansatz durchgeführt. Sie ist wie folgt strukturiert:

Eine Studie zu Winterbedingungen/zur Vorkonditionierung kann durchgeführt werden, um die Bedingungen in einem LKW während der Wintermonate zu simulieren.

Ein Teilzyklus mit einer EO-Mindestexposition wird durchgeführt, um die Wiederfindung des biologischen Indikators (BI) zu validieren und die Beziehung zwischen dem BI und der natürlichen Keimbelastung (Bioburden) des Produkts zu bestimmen. Die Qualifizierung besteht aus:

  • Analyse der Zyklusleistung
  • Produktsterilitätstest
  • Bakteriostase/Fungistase-Test
  • BI-Sterilitätstest (Process-Challenge-Devices)

3 Halbzyklen inklusive der halben Routineexpositionszeit werden durchgeführt, um die Wiederholbarkeit einer 6-Log-Sporenreduktion des BI mithilfe minimaler Parameter zu zeigen (ein 4. Halbzyklus wird benötigt, wenn die Minimalbeladung festgelegt werden soll). Die Qualifizierung umfasst:

  • Analyse der Zyklusleistung
  • BI-Sterilitätstest (PCD)
  • Beladungstemperatur/Feuchtigkeitsüberwachung
  • EO-Konzentrationsüberwachung (nur parametrische Freigabe)

3 Vollzyklen werden durchgeführt, um Rückstände und Produkt-/Funktionsevaluierungen zu bestimmen (und zu bestätigen). Die Qualifizierung umfasst:

  • Analyse der Zyklusleistung
  • BI-Sterilitätstest (PCD)
  • Kontrolle auf EO/ECH-Rückstände (für einfache und zweifache Verfahren)
  • Beladungstemperatur/Feuchtigkeitsüberwachung
  • EO-Konzentrationsüberwachung (nur parametrische Freigabe)

6. Finaler Bericht

Ein finaler Bericht wird erstellt. Er hat die folgenden Funktionen:

  • Dokumentieren der Überprüfung der Validierungsdaten
  • Bestätigen der Akzeptierbarkeit im Hinblick auf das genehmigte Protokoll für den Sterilisationsprozess
  • Bestätigen der Verfahrensspezifikation

7. Erneute Validierung

Eine erneute Validierung des etablierten Ethylenoxidverfahrens wird jedes Jahr durchgeführt. Die erneute Validierung besteht aus einer Überprüfung der ursprünglichen Validierungsdaten zur Bestätigung, dass sich keine Änderungen ergeben haben. Eine reduzierte LQ (bestehend aus einem Halbzyklus und einem Vollzyklus) kann durchgeführt werden, wenn es Änderungen am Produkt oder dessen Verpackung gegeben hat. Die reduzierte LQ ist jedes Jahr für das Verfahren der parametrischen Freigabe erforderlich, wird aber häufig alle zwei Jahre für das Verfahren einer BI-Freigabe durchgeführt.

Literaturangaben

  1. ANSI/AAMI/ISO 11135-1:2007 – Sterilisation von Produkten für die Gesundheitsfürsorge – Ethylenoxid – Teil 1: Anforderungen an die Entwicklung, Validierung und Lenkung der Anwendung eines Sterilisationsprozesses für Medizinprodukte, 4. Auflage
  2. ANSI/AAMI/ISO TIR11135-2:2008 – Sterilisation von Produkten für die Gesundheitsfürsorge – Ethylenoxid – Teil 2: Leitfaden zur Anwendung von ANSI/AAMI/ISO 11135-1, 1. Auflage